Harald Neubauer, Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim konnte geballte Frauenpower in der Agentur für Arbeit begrüßen. Angelika Graf, Mitglied des Bundestages, Maria Noichl, Mitglied des Landtages, Elisabeth Jordan, Rosenheimer Stadträtin und Angelika Rösner, Vorstand der Rosenheimer SPD-Frauen, kamen zur Agentur, um sich über die berufliche Situation von Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie Frauen in Führungspositionen zu informieren.
Neubauer an die Gäste gewandt: „Im Agenturbezirk liegt die Arbeitslosenquote der Frauen aktuell bei 3,5 Prozent und ist damit um 0,3 Prozentpunkte niedriger als bei den Männern. In Zahlen ausgedrückt waren im Mai 4.640 Frauen arbeitslos gemeldet. Diese Insgesamt-Zahl teilt sich auf in 2.480 Sozialgesetzbuch-III-Kunden, die von der Agentur für Arbeit betreut werden und 2.160 Frauen, die von „Hartz IV" leben, also Arbeitslosengeld II beziehen und von den Arbeitsgemeinschaften oder der optierenden Kommune Miesbach betreut werden. In Bezug auf das Thema Arbeitslosigkeit von Frauen haben wir also hier kein spezielles Problem, sondern eher ein strukturelles Problem im Hinblick auf die Qualifikation der Arbeitslosen. Es haben nämlich circa 46 Prozent aller Erwerbslosen keine abgeschlossene Ausbildung, der Anteil ist bei Sozialgesetzbuch-II-Kunden besonders hoch."
Neubauer weiter. „Wir geben im Jahr über 13 Millionen Euro für die berufliche Eingliederung aus. Wir schauen uns das Profil eines jeden Arbeitslosen an und analysieren, was ihm fehlt, um wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen. Unsere Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Roswitha Möbus, achtet bei der beruflichen Qualifizierung darauf, dass Frauen entsprechend berücksichtigt werden.“
Qualifikation und Ausbildung müssen – unabhängig vom Geschlecht – sehr früh ansetzen, darüber waren sich alle Anwesenden einig. Egal ob Junge oder Mädchen, alle Jugendlichen müssen erfolgreich eine Schule abschließen, damit sie anschließend – entsprechend ihrer persönlichen Eignung und Neigung – erfolgreich eine Ausbildung durchlaufen können. Die demografische Entwicklung wird nämlich auch im Agenturbezirk Rosenheim voll durchschlagen, das heißt, die Zahl der Jugendlichen, die auf den Ausbildungsmarkt strömen, wird zurückgehen, gleichzeitig steigt der Fachkräftebedarf. Diesem Fachkräftemangel kann nur mit einem hohen Anteil an gut ausgebildeten Arbeitnehmern entgegengewirkt werden. Frauen stehen heute in Bezug auf ihre Schul- und Berufsausbildung den jungen Männern nicht nach. Daher wird es in Zukunft immer wichtiger, dass Frauen relativ schnell nach der Familienphase wieder ins Berufsleben einsteigen. Dabei spielt nicht nur ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen eine große Rolle, sondern auch, dass Firmen zukunftsweisende Entscheidungen in Richtung familienfreundliche Personalpolitik treffen und vermehrt Teilzeit- und/oder Telearbeitsplätze zur Verfügung stellen.
„Wir von der Agentur für Arbeit sind ja nicht nur Dienstleister für alle Belange rund um die Arbeitswelt, sondern auch selber Arbeitgeber für über 500 Beschäftigte", so der Agenturleiter in seiner Funktion als Firmenchef, „und hier haben wir eine Vorreiterrolle übernommen. Fast 70 Prozent unserer Mitarbeiter sind Frauen, von diesen wiederum arbeiten 130 in unterschiedlichsten Teilzeitmodellen (wochenweise, vormittags, nachmittags, zweieinhalb Tage), auch Telearbeit bieten wir an. Für die Ferienzeiten organisieren wir – meist in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring – eine Kinderbetreuung, denn der gesetzliche Urlaubsanspruch deckt in der Regel nicht die gesamten Ferienzeiten ab. Wir hoffen, dass wir mit unseren Modellen im Hinblick auf die Verein-barkeit von Familie und Beruf viele Nachahmer finden!"